Der Landesverband Mathematikwettbewerbe NRW e.V. - ein Blick zurück

Die Tradition mathematischer Wettbewerbe reicht bis ins letzte Jahrhundert. In Deutschland entwickelten sich zwei große Wettbewerbe. In der ehemaligen DDR die Olympiaden Junger Mathematiker als vierstufiger Wettbewerb für Schüler ab Klasse 5 und in der Bundesrepublik Deutschland der Bundeswettbewerb Mathematik als Wettbewerb in drei Runden im wesentlichen für die Schüler der Sekundarstufe II.

Mit der Wiedervereinigung lösten sich die Träger der ostdeutschen Olympiaden auf, aber die Überzeugung, Schülerinnen und Schüler schon in jungen Jahren für die Mathematik zu begeistern und durch Wettbewerbe zu fördern, blieb erhalten. In NRW hatten sich neben dem Bundeswettbewerb einige regionale Wettbewerbe (z.B. in Neuss seit 1988 und in Essen seit 1985) etabliert, die sich ebenfalls der Förderung von Schülern ab Klasse 5 widmeten.

Nach der Wende startete das Thüringer Kultusministerium 1991 mit einer Einladungsrunde an alle Bundesländer zu einer ersten gesamtdeutschen Mathematik-Olympiade in Erfurt. NRW gehörte zu vier alten Bundesländern, die Trotz der Kürze der Zeit mit einer kleinen Schülermannschaft (Kreiswettbewerb Neuss, Mathe-LK Bonn) unter Betreuung des 2. Vorsitzenden des Fördervereins MNU teilnahm und vor Ort die Anforderungen kennen lernte. Trotz neuartiger Aufgaben ließen sich die 4 Schüler nicht entmutigen! Während der viertägigen Veranstaltung gab es viele Begegnungen und Aktivitäten, so dass Schüler und Betreuer vielfältige persönliche Kontakte knüpfen konnten.

Der Verein Bildung und Begabung e.V. und der Förderverein MNU luden im September 1992 zu einer bundesweiten Tagung in die Bildungsstätte Kloster Walberberg ein, um die vorhandenen Beispiele mathematischer Förderung den Teilnehmern aus ganz Deutschland vorzustellen und neue Anregungen für die Intensivierung der Arbeit vor allem in der Sekundarstufe I abzustimmen (Tagungsband in der Schriftenreihe von Bildung und Begabung e.V.). Diese Veranstaltung hatte Signalwirkung für das weitere Engagement in den östlichen und westlichen Bundesländern.

Sachsen-Anhalt lud informell zur nächsten Bundesrunde ein. Man verabredete, dass jeder sich in seinem Bundesland für eine Teilnahme einsetzen und vorbereiten werde. Diese Veranstaltung hatte Signalwirkung für das weitere Engagement in den östlichen und westlichen Bundesländern.

Auf Einladung des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung von Sachsen-Anhalt fand im Jahre 1993 die "erste" Deutschland-Olympiade Mathematik in Magdeburg statt mit 125 Jugendlichen aus inzwischen 13 Bundesländern - der Wettbewerb war an der "Basis" angekommen! Zur NRW-Mannschaft gehörten eine Schülerin (aus Neuss) und neun Schüler (aus dem Kreis Neuss und aus Essen) sowie drei Betreuer. Die Schülerin und die Schüler hatten sich in speziellen Klausuren qualifiziert und konnten in Magdeburg sogar einen ersten und einen zweiten Preis erringen.

Der Wunsch aus den verschiedenen Kreisen in NRW ebenfalls an der Bundesrunde teilnehmen zu können, machte es notwendig, eine Wettbewerbsrunde auf Landesebene zu installieren. Am 4.02.1995 nahmen etwa 120 Teilnehmer aus 17 Regionen am ersten landesweiten Mathematikwettbewerb in Essen teil. Der Wunsch, sich überregional zu organisieren, wurde inzwischen von den Kolleginnen und Kollegen in den Regionen immer häufiger geäußert. Doch es sollte noch bis zum 29. Mai 1996 dauern, bis die Gründungsversammlung des LV Mathematikwettbewerbe NRW stattfand.
Nur wenige Monate später, am 07.11.1996 erhielt der Landesverband NRW e.V. die Anerkennung der besonderen Förderungswürdigkeit durch das Finanzamt Essen-Nord, die bisher alle drei Jahre bestätigt wurde.

Ein Höhepunkt im Vereinsleben war das Jahr 1997 mit der Vergabe der Austragung der 36. Deutschen Mathematik-Olympiade nach NRW - bis heute werden die in der ehemaligen DDR stattgefundenen Olympiaden mitgezählt. Während diese Veranstaltung in Essen bei den bildungspolitischen Entscheidungsträgern in NRW kaum Beachtung fand, wurde sie für den Verband zu einem Riesenerfolg. Zumindest haben sich die Teilnehmer aus 16 Bundesländern und deren Begleiter noch viele Jahre an diese Veranstaltung gern zurückerinnert. Die NRW-Mannschaft, bestehend aus 15 Teilnehmern holten 8 Preise, davon zwei 1. Preise. Daniel Herden aus Essen konnte sich als Preisträger anschließend nicht nur für die Internationale Mathematik-Olympiade qualifizieren, sondern holte dort für die Deutsche Mannschaft eine Silbermedaille.

Im Jahr 1998 startete der Landesverband als Pilotprojekt einen Grundschulwettbewerb, an dem etwa 230 Grundschulen teilnahmen. Die Teilnehmerzahl dieses Wettbewerbes wuchs so schnell an, dass er nicht mehr vom gleichen Team betreut werden konnte. Mittlerweile ist er der größte Mathematik-Wettbewerb in Deutschland und wird in eigener Verantwortung organisiert.

In nur fünf Jahren, von 1995 bis 2000, konnten alle Kreise und kreisfreien Städte in NRW gewonnen werden, um sich am Landeswettbewerb mit eigenen Mannschaften zu beteiligen. Im Jahre 2006 nahmen eine Rekordzahl von fast 15200 Schülerinnen und Schülern aus 620 weiterführenden Schulen (93%) an der 1. Runde unseres Mathematikwettbewerbes teil.

Immer wieder werden die Verantwortlichen im Verband gefragt, warum die Teilnehmerzahlen explodieren, während sie bei anderen Wettbewerben stagnieren oder sogar zurückgehen. Unser Erfolg hat wohl im Wesentlichen einen Grund. Es ist die mit großem Engagement betriebene ehrenamtliche Tätigkeit unserer Mitglieder und der unserer Arbeit verbundenen Kolleginnen und Kollegen in den 54 Regionen von NRW.

Die Anfragen an den Verband, den jungen und an Mathematik interessierten Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten zum Austausch und zur Förderung anzubieten, der über das schulische Angebot hinausgeht, wuchsen mit der Zahl der Teilnehmer an den Wettbewerben.
Der Verband reagierte mit dem Angebot von mittlerweile zwei großen Veranstaltungen im Kalenderjahr, der Sommerakademie und der Winterakademie. Außerdem finden in mehr als 10 Regionen in ganz NRW Wochenendseminare für diese Interessentengruppe statt.
Dort treffen sich für mehrere Tage begabte Jungmathematiker, um sich weiterzubilden und im Austausch mit älteren, in Wettbewerben erfahreneren Talenten mehr zu erfahren und Tricks und Kniffe kennen zu lernen. Mittlerweile arbeiten ehemalige, erfolgreiche Teilnehmer als Dozenten bei diesen Veranstaltungen und helfen den Lehrern bei Talentsuche- und -förderung.

Das Engagement in NRW wurde vom Deutschen Olympiadeverein im Jahre 2004 erneut gewürdigt. Die Vergabe der Austragung der Deutschen Mathematik-Olympiade erfolgte zum zweiten Mal in das bevölkerungsreichste Bundesland. Doch diesmal unter ganz anderen Bedingungen als noch 7 Jahre zuvor. Selbst die damalige Ministerin Frau Ute Schäfer ließ es sich nicht nehmen, persönlich bei der Preisverleihung zu erscheinen. Auch diesmal gelang es den Organisatoren in Essen, den Teilnehmern und Begleitern eine gelungene Wettbewerbs-veranstaltung zu bieten mit einem interessanten Nachmittagsangebot, das an die Stätten von Wissenschaft und Forschung des Ruhrgebietes führte, einem unterhaltsamen Abschlussabend mit musikalischen und physikalischen Showelementen und schließlich einer würdigen Siegerehrung.

Im Jahr 2007 hat der Landesverband NRW e.V. gemeinsam mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung zur Vorbereitung des Jahres der Mathematik 2008 eine Veranstaltungsreihe entwickelt, die landesweit die Bedeutung der Mathematik, aber auch die Angebote für an Mathematik interessierte Jugendliche aufzeigen soll.